Wo leben die Deutschen mit den meisten Schulden?

Schuldneratlas Deutschland auf Kreisebene. Bild: Creditreform/Boniversum/microm

Schuldneratlas Deutschland auf Kreisebene. Bild: Creditreform/Boniversum/microm

Immer mehr Deutsche nehmen einen Kredit auf. Das liegt vor allem daran, dass viele zwar in soliden finanziellen Verhältnissen mit einem stabilen Gehalt leben, aber trotzdem für die kleinen oder großen Extrawünsche des Alltags keinen Spielraum mehr haben. Doch wo leben eigentlich Deutsche mit den meisten Schulden?

4,22 Millionen Deutsche sind überschuldet

Die Lebenshaltungskosten sind kontinuierlich angestiegen, weshalb Urlaub, Auto oder die neue Waschmaschine oft mit einem Kredit finanziert werden müssen. Wenn es darum geht, die Raten für ihren Kredit zurückzuzahlen, sind die Deutschen in Europa vorbildlich.

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn während der Aufschwung dafür sorgt, dass es vielen Menschen deutlich besser geht, schlittern aktuell alle mit chronischen Finanzengpässen dank Kredit immer tiefer in die Schuldenfalle. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform veröffentlicht regelmäßig den „Schuldneratlas Deutschland“. Die letzte Version vom November 2017 gibt Anlass zur Besorgnis. Denn die Zahl der hoffnungslos überschuldeten Personen in Deutschland steigt weiter an: Über 6,9 Millionen Deutsche sind nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu bezahlen.

Das ist gegenüber dem Jahr 2016 ein Anstieg auf rund 65.000 Personen, die „nachhaltige Zahlungsstörungen“ aufweisen, wie Creditreform die mangelnde Liquidität bezeichnet. Während einigen nach einer gewissen Zeit der Absprung wieder gelingt und sie ihre Verbindlichkeiten begleichen können, sind laut Creditreform 4,22 Millionen Bundesbürger in einer „dauerhaften Schuldenspirale“. Das bedeutet, sie sind derart überschuldet, dass die Einnahmen niedriger sind als die monatlich zu leistenden Gesamtausgaben. Im Klartext heißt das: Hier haben sich bereits die Gerichte eingeschaltet, um Zahlungen der Deutschen mit den meisten Schulden durchzusetzen.

Noch immer hält sich hartnäckig das Gerücht, im Osten Deutschlands seien Deutsche mit den meisten Schulden anzutreffen. Doch eine vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote und Gehälter, die noch immer nicht dem Niveau im Westen entsprechen, bedeutet noch lange keine schlechte Zahlungsmoral

Deutsche mit den meisten Schulden leben in Nordrhein-Westfalen

Deutsche mit den meisten Schulden sind nämlich alle im Westen anzutreffen. Im Norden des Landes leben Deutsche mit den meisten Schulden. Denn Spitzenreiter im Bundesvergleich sind Bremen und Nordrhein-Westfalen. In Bremen sind 13,97 Prozent überschuldet, doch auch in Sachsen-Anhalt (12,71 Prozent) und Berlin (12,63 Prozent) ist die Anzahl der Schuldner zweistellig. Im Süden hingegen scheinen Deutsche mit den meisten Schulden ein unbekanntes Phänomen zu sein. So beträgt die Überschuldungsquote in Thüringen 9,25 Prozent, in Baden-Württemberg 8,31 Prozent und in Bayern 7,47 Prozent.

In Nordrhein-Westfalens Städten leben Deutsche mit den meisten Schulden. So sind in Duisburg 17,08 Prozent der Einwohner laut Creditreform überschuldet. In Dortmund sind es immerhin noch 14,44 Prozent und in Essen 13,76 Prozent. Deutsche mit den meisten Schulden sind immer noch Männer. Ihr Anteil beträgt 12,59 Prozent. Doch wie der Schuldneratlas von Creditreform zeigt, holen die Frauen tüchtig auf. Ihr Anteil ist im Vergleich zu den Vorjahren auf 7,61 Prozent gestiegen. Junge Menschen stellen die Gruppe Deutsche mit den meisten Schulden dar. Offensichtlich zahlen die 30- bis 39-Jährigen nur ungern ihren Kredit zurück. 1,92 Millionen Menschen und damit 18,93 Prozent aus dieser Altersgruppe sind überschuldet. Erschreckend ist auch, dass immer mehr Rentner in Schulden geraten. 2017 waren 11,7 Prozent mehr Rentner als im Vorjahr von Schulden betroffen.

Stopfen von Finanzlöchern führt zu Schulden

Wie es so weit kommen kann? Das liegt vor allem daran, dass Haushalte der Deutschen mit den meisten Schulden, in denen das Geld ohnehin schon knapp ist, schon mit ein bis zwei finanziellen Fehlentscheidungen ins Chaos schlittern können. Arbeitslosigkeit ist in rund einem Fünftel der Fälle für Schulden verantwortlich. 15,3 Prozent der Überschuldung lassen sich auf Krankheit, Unfall oder eine Sucht zurückführen. 12,8 Prozent der Deutschen werden durch Trennung, Scheidung und Tod in Schulden gestürzt. Bei etwa über zehn Prozent ist die unwirtschaftliche Haushaltsführung schuld, bei 8,4 Prozent ist der Traum von der Selbständigkeit geplatzt.

Unabhängig vom Grund für die Schulden entwickeln Betroffene häufig einen Tunnelblick und versuchen, zuerst einmal die ganz dringenden finanziellen Ansprüche zu bedienen und schieben alles andere nach hinten hinaus. Das führt dann zu einer Art Eskalationsspirale: Die an für sich dringende Autoreparatur wird verschoben, um die Miete zahlen zu können. Das Auto wird weitergefahren, dadurch weitet sich der Reparaturbedarf immer weiter aus. Deutsche mit den meisten Schulden sind nur noch damit beschäftigt, Finanzlöcher zu stopfen. Aus diesem Grund weitet sich bei vielen der Dispo-Kredit immer weiter aus.

Fordern Sie einmal jährlich kostenfrei Ihre Schufa-Auskunft an

Den Deutschen mit den meisten Schulden könnte es ebenfalls helfen, ihre Verpflichtungen zentral auf einem Kredit-Konto zu bündeln. Oder monatlich per Dauerauftrag ein finanzielles Polster anzulegen. So weit muss es jedoch gar nicht erst kommen. Sie können selbst etwas dafür tun, dass Sie nicht in einer Falle von Schulden und Kredit, dessen Rückzahlung Sie nicht überschauen können, geraten. Achten Sie auf ein gesundes Gleichgewicht von Einnahmen und Ausgaben, führen Sie ein Haushaltsbuch und nehmen Sie nur einen Kredit auf, wenn Sie die Raten auch wirklich zahlen können. Machen Sie außerdem davon Gebrauch, einmal jährlich kostenlos Ihre Schufa-Auskunft einzuholen.


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